offener Brief an die GÖD

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Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen von der GÖD,

Ende 2012 bekam ich die Broschüre „Angebote für GÖD-Mitglieder, Aktualisierte Auflage Juni 2012“ zugesandt. Vielen Dank; ich schätze es, durch das Engagement der Gewerkschaft zu verschiedenen Vergünstigungen zu kommen, und die beteiligten Partner-Unternehmen sind sicherlich froh über die damit verbundene Werbewirkung.

Dem entsprechend sollte darauf geachtet werden, keinen esoterischen Unfug zu bewerben. Genau das tun Sie aber unter der Überschrift „Wellness“ mit dem „Positiv Wasserbeleber“ der Fa. Scheidl, den man als GÖD-Mitglied um „nur“ 750,- statt 900,- erwerben könnte. 750 verschenkte Euro, denn Wasserbelebung, -informierung oder -vitalisierung sind physikalisch unmöglich, wie nicht zuletzt meiner eigenen Website homepage.univie.ac.at/erich.eder/wasser und (unter anderem) den dort genannten Publikationen

Ph. Wernet et al. (2004): The Structure of the First Coordination Shell in Liquid Water. Science 304 / 5673 (2004) und

M. L. Cowan et al. (2005): Ultrafast memory loss and energy redistribution in the hydrogen bond network of liquid H2O. Nature 434, 199-202.

zu entnehmen ist.

Darüber hinaus ist das in Ihrer Broschüre genannte Versprechen, die Scheidl-Wasserbehandlung helfe „bei Allergien, Immunschwäche, Nierenschwäche, Bluthochdruck, Hautkrankheiten u.v.m.“, also die Behauptung medizinischer Wirkungen für gewöhnliches Wasser ein Verstoß gegen § 5 Abs 3 Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz.

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Das Publizieren gesetzwidriger Werbeversprechen in einer Broschüre der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst ist in meinen Augen ein besonderer Affront gegenüber unseren Kolleginnen und Kollegen aus Justiz und Exekutive, und die Verbreitung der dem Stand der Wissenschaft widersprechenden Behauptung, Wasser wäre „belebbar“, stellt eine Verhöhnung aller Kolleginnen und Kollegen aus Forschung und Lehre der Naturwissenschaften an Schulen und Universitäten dar.

Ich ersuche Sie daher höflich um Stellungnahme und um Beendigung der Zusammenarbeit mit der Firma Scheidl und vergleichbaren „Wasserzauberern“.

Dieser offene Brief ist online auf meiner o.a. Website und auf scienceblogs.de/kritisch-gedacht verfügbar. Ihre mit Spannung erwartete Antwort wird dort ebenfalls publiziert werden.

Mit kollegialen Grüßen, Erich Eder

NACHTRAG 14.2.2013:

Hier die – ausgesprochen unbefriedigende – Antwort. Es geht hier nicht um „unlauteren Wettbewerb“, Herr „Kollege“, sondern um den Schutz der GÖD-Mitglieder vor Scharlatanen und Schwindlern, die IHREN Mitgliedern mit unwahren Werbeversprechen das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Die GÖD behauptet, ihre Mitglieder zu schützen – in diesem Fall tut sie das offenbar nicht.

GOEDANTWORT1

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Eine Antwort

  1. Interessanter Artikel, den man nur voll und ganz unterstützen kann. Man fragt sich, wer hinter solchen Publikationen steckt. Natürlich dürfte es nicht schwer sein, den Verfasser einer solchen Schleichwerbung ausfindig zu machen. Damit ist es aber nicht getan, denn dahinter steht auch der Herausgeber und einige mehr. Jetzt muss man sich dann fragen, ob hier nicht ungerechtfertigt mitverdient wird? Solche zwielichtigen Wellness- und Esotherik-Angebot finden sich ja nicht in Massen auf dem Markt. Die Anbieter suchen ja gezielt nach Möglichkeiten ihre Waren zu vermarkten. Dabei werden Anfragen an die Verantwortlichen gestellt. Nimmt jetzt dieser Verantwortliche ohne zu prüfen um welches Produkt es sich überhaupt handelt das Angebot an? Oder steckt da mehr dahinter? Eine Publikation der österreichischen Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) sollte sich in jedem Falle kritisch mit allem, was veröffentlicht wird, auseinander setzen. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein die Angestellten vor dubiosen Geschäften zu schützen und sie nicht zu fördern.

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